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Herausforderungen

Wettbewerbsanforderungen

Der Wettbewerb wurde durch die Gemeinde Deckenpfronn ausgeschrieben, um eine architektonische Lösung für ein Gelände direkt am Marktplatz zu finden. Hier sollten zwei gewerbliche Einheiten, fünf oder sechs Wohnungen sowie ein Café im Erdgeschoss entstehen.

Ziel war es, so viel Fläche wie möglich auf dem ausgewiesenen Baugrund zu erschließen und einzuplanen. Als weitere Anforderung kam hinzu, dass der Ortskern und Marktplatz der kleinen Gemeinde Ende des 2. Weltkriegs durch einen Luftangriff stark zerstört wurden.

Der Wiederaufbauplan, der immer noch Gültigkeit hat, sieht vor, dass entlang des Marktplatzes giebelständige Gebäude und Gehöfte entstehen sollen. 

Der Wettbewerbsbeitrag war daher nur zulässig, wenn diese Kriterien erfüllt waren.

Skizzen zum Grundriss: Version 1, Version 2 (umkreist), Version 3
Skizzen zum Grundriss: Version 1, Version 2 (umkreist), Version 3

Gelände und Umfeld

Bei der Recherche und Sichtung der Lagepläne der Gemeinde fiel auf, dass die Gebäude rund um den Marktplatz über relativ viel Abstand zueinander verfügen. Dieser Faktor und die Vorgabe eines giebelständigen Gebäudes inspirierten maßgeblich unseren Entwurf. Wichtig ist uns weiterhin, immer zu antizipieren, wie sich ein neues Gebäude in sein Umfeld integriert. Die gewünschte Ausstrahlung und Wirkung eines Gebäudes im Umfeld beeinflussen von vornherein die Überlegungen zu einem Entwurf.

Die Entwicklung drei miteinander verbundener Einheiten, die mit Abstand zueinander in Giebelform errichtet werden, hat die Jury überzeugt. Unser Beitrag hat gewonnen und wurde 2017 fertiggestellt.

Lageplan: Die topografischen Markierungen zeigen, dass der Lauf des Grundstücks auf grünem Grund nach Norden ansteigt. Ein ebenerdiger Zugang ist daher von Norden als auch von Süden aus möglich.
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Die buerohauser Expert*innen und die Bauherren

Für dieses Projekt haben wir unser Expert*innenteam in der klassischen Besetzung aus (Innen-)Architektur, Statik, Energieberatung und Vermessung zusammengesetzt.

Wir haben alle Leistungsphasen 1 bis 8 zusammen mit unseren externen Partner*innen der Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärinstallation sowie mit den Kolleg*innen, den Elektro-Fachingenieur*innen, Brandschutzexpert*innen und Geolog*innen realisieren können.

Dabei übernehmen wir gerne die Koordination und das Projektmanagement, um bestmögliches Hand-in-Hand-Arbeiten zu erzielen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Deckenpfronn verlief sehr gut. Um ästhetisch ansprechende als auch zum Umfeld passende und den budgetären Voraussetzungen entsprechende Lösungen zu finden, kam es in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Deckenpfronn als Kundin während des Planungsprozesses zu einer Veränderung im Giebelbereich. 

Wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil wir die Faktoren giebelständiges Gebäude und Abstand zu Gebäuden bei unserem Entwurf berücksichtigt haben.

Zitat von Helmut Hauser,

Architekt

Modellbau Südansicht
Wettbewerbsmodelle: Giebelständige Häuser mit Abstand zueinander, ein Gelenk verbindet alle drei Einheiten.
Entwurf und Grundriss des Wohn- und Geschäftshauses
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Entwurf und Grundriss des Wohn- und Geschäftshauses
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Lösungen

Die Fuge: Rhythmus und Proportion im Einklang mit städtebaulichen Strukturen

Wir entwickeln in der Regel die Form eines Gebäudes im Kontext mit der umgebenden Bebauung, um somit eine Verträglichkeit herzustellen.

Mit Fuge meinen wir einen gewissen Abstand zueinander: hier zu den drei Gebäudeteilen. Dieses Gestaltungselement schenkt diesem Projekt besonders viel Reiz, da es auf unterschiedlichen Ebenen Bezüge zum Ort erschließt. 


Der Marktplatz eines Ortes ist Begegnungsort zum Einkaufen, Austauschen von Informationen oder für Feiern und wirkt so identitätsstiftend für die Bürger*innen. Das alte Haus, das am Platz stand und abgebrannt war, sollte ersetzt werden. Das Archivmaterial ließ gut erkennen, wie viel Platz man um das Gebäude fand und wie das Fachwerk und die Giebelhäuser den Ort prägen. 

Unser Anliegen war es, diese Elemente aufzugreifen, um die offene Stelle entsprechend der Dorfstruktur zu schließen, so dass die Bürger*innen das neue Gebäude gerne annehmen, weil es sich auf diese Weise harmonisch integriert. 

Wir haben uns daher für ein Gebäude mit Doppelgiebel und Zwischengelenk, das die Fuge zwischen den einzelnen Gebäudeteilen herstellt, entschieden. Den Duktus der giebelständigen Häuser beidseits der Straße Marktplatz haben wir damit aufgenommen. 

Entwicklung vom Modell bis zum fertigen Objekt: Veränderung der Fassadengestaltung im Giebelbereich.

Die Entwicklung des Gebäudekörpers und der Fassaden entstand in drei Schritten. Zuerst waren alle Giebel über zwei Geschosse verglast: Die Wohnungen waren zum Norden und Süden hin sehr hell. In der weiteren Planung haben wir zusammen mit dem Bauherren andere Elemente verwendet, um noch stärker städtebauliche Relationen herzustellen. So wurde stilistisch der Bezug zum ortsprägenden Fachwerk hergestellt.

Dazu trägt auch der großzügige Abstand zu den benachbarten Häusern bei: 

Proportionen und Grundrhythmus lassen erkennen, dass die Abstände zu den Seiten hin als auch zwischen den drei Häusern in etwa gleich sind.

Ein multifunktionales Gebäude und seine Erschließung

Die Gestaltung der Wohnungen konnte im Gegensatz zur Grundrisszeichnung von Gewerbeflächen einfacher gehandhabt werden. Der Grundriss separater Wohnungen auf mehreren Stockwerken orientiert sich meist hauptsächlich an den Wasser- und Abwassersträngen. Gewerbetreibende haben zusätzlich dazu unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen an ihre Geschäftsräume. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, haben wir das Gebäude so konzipiert, dass die Gewerberäume multifunktional sind. 

Für das fünfgeschossige Gebäude nutzten wir die topografischen Gegebenheiten und konnten von zwei Seiten das Gebäude ebenerdig erschließen. Der Gebäudekörper besteht aus Keller, Erdgeschoss mit Garage und erster Gewerbeeinheit, 1. Obergeschoss mit zweiter Gewerbeeinheit, 2. Obergeschoss und Dachgeschoss für Wohnungen. Von Süden her kann die Gewerbeeinheit, jetzt eine Apotheke, direkt vom Marktplatz aus betreten werden. Vom Parkplatz aus, der im nördlichen Teil des Grundstücks liegt, gelangt man über eine Rampe bzw. wenige Treppenstufen zur zweiten Gewerbeeinheit, momentan eine Arztpraxis.

Schnitt mit Eingangspfeilen
Schnitt Ansicht West: Zugang vom Parkplatz über die Treppe oder Rampe zur Praxis im 1. Obergeschoss

Wichtig war uns dabei, dass die Laufwege möglichst kurz sind. Um die fünf Geschosse zu erschließen, haben wir hier das Element der Fuge als Zwischengelenk verwendet.

Dieses funktioniert als Mittel zur vertikalen Erschließung. Es verbindet alle drei Gebäudeteile miteinander und hier sind Treppenhaus und Aufzug untergebracht.

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Ergebnisse

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Gesamtkonzept, Einbindung Denkmalschutz

Der zusätzlich angegliederte neue Baukörper folgt dem additiven Prinzip des Kulturdenkmals und gliedert sich in die Symmetrie ein. Der verglaste Pavillon ordnet sich in seiner sehr zurückhaltenden Form dem Kulturdenkmal unter. Die städtebauliche Qualität und Eigenheiten des freistehenden solitären Gebäudes bleiben erhalten und werden durch die Addition des leichten Baukörpers gestärkt.

So entsteht unter Schaffung eines großzügigeren Eingangsbereichs eine neue Vorplatzsituation auf der akustisch von der Nachbarschaft abgewandten Ostseite der Halle. Der Außenraum wird hier über den Sockel fließend mit dem Foyer verbunden. Freibereich und Foyer werden als ein durchgängiger Raum wahrnehmbar.
Die Ganzglasfassade mit ihrer dunkel eloxierten Metall-Konstruktion umfasst mehrere Schiebe-Elemente, durch die sich der Pavillon Richtung Osten und Süden hin öffnen lässt. Nach Süden und Osten entstehen Sitzstufen. Die Überdachung schafft einen großzügigen vom Regen geschützten Freibereich.


Im Erdgeschoss des unterkellerten Erweiterungsbaus befinden sich der barrierefrei zugängliche Haupteingang zur Festhalle und das Foyer mit freistehender Bar. Vom großzügigen Foyer gelangt man zur Festhalle und zu den Nebenräumen im Untergeschoss.


Die Bühne wird nach Westen, unter Beibehaltung der Achsensymmetrie verlegt und maximal in der Breite vergrößert. Eine Vergrößerung in der Tiefe kann über mobile Bühnenelemente erreicht werden. Die Festhalle bleibt in Ihrer Größe erhalten und fasst weiterhin 220 Personen in Reihenbestuhlung.


Die Küche wird zentral zwischen Foyer und Festhalle platziert und ermöglicht so kürzeste Wege in den Saal sowie in das Foyer. Eine direkte Anlieferung von der Alten Nagolder Straße ist möglich.
Einbauten werden mit Stoff bespannt und sind akustisch wirksamen. Ebenso werden die akustischen Maßnahmen in der Stirn- und Rückwand platziert.

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Konstruktions- und Materialisierungskonzept

Der Erweiterungsbau mit flach geneigtem Dach wird in einer Stahlkonstruktion ausgeführt.
Das Untergeschoss wird aus einem wasserundurchlässigen Beton hergestellt.

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Fassadengestaltung

Die verschindelte Fachwerkfassade wird saniert. Das Farbkonzept wird an das im Jahre 1926 fertiggestellten Gebäude angelehnt.

Die Schindelfassade wird hell gehalten, die Fensterrahmen weiß gestrichen und die Rahmen um die Sprossenfenster auf der Süd- und Nord-Seite des Gebäudes werden durch die dunkle Farbigkeit hervorgehoben.
Die Fassade des Anbaus stellt in ihrer Klarheit einen modernen Kontrast zur historischen Festhalle dar. Die anthrazitfarbenen Metallrahmen der Verglasung nehmen Bezug auf die dunklen Farbakzente der denkmalgeschützten Fassade.

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Freianlagen, Nutzungskonzept

Die Festhalle ist über die alte Nagolder Straße erschlossen. Der neue Haupteingang und die Zufahrt zum Parkplatz werden auf die Ostseite verlegt. Die Mehrzahl der Parkplätze befindet sich im Süd-Osten. Hier entsteht ein gestalteter Platz, der den vorhandenen Ahornbaum integriert. Der Parkplatz kann auch für Feste oder Märkte genutzt werden.

Der verdolte Haiterbach wird im Süden renaturiert und freigelegt. Als Abschluss der Platzfläche entsteht hier ein attraktiver Bereich mit Aufenthalt am Wasser.
Das Vereinsheim kann in Zukunft von unten über eine Brücke angefahren werden.

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Wirtschaftlichkeit

Das Entwurfskonzept stellt unter dem gegebenen Raumprogramm einen minimalinvasiven Eingriff dar.

Die Grundstruktur des historischen Gebäudes bleibt erhalten, die Größe des Anbaus wird auf ein Minimum reduziert.

In Zusammenarbeit mit:
frei raum concept
SCHNEPF Planungsgruppe Energietechnik

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Pädagogisches und architektonisches Konzept

Die jeweiligen Zentren sind als glasüberdachtes Atrium, begrünter Innenhof und als offene Halle der Mensa, Aula und Festhalle mit Galerie und Dachverglasung ausgeführt. Eine Lern-Allee durchzieht die Baukörper und verbindet diese gleichermaßen.

Im Westtrakt ist hauptsächlich der Primarbereich untergebracht. Der Mitteltrakt wird überwiegend von der Sekundarstufe genutzt. Der Mehrzweckbereich ist als Mensa, Aula und Festhalle mit Regenerier- und Spülküche, Nebenräumen und Essenausgabe im Osttrakt untergebracht, ebenso der Bühnenbereich als Übungs- und Proberaum.

Die Lernbereiche sind weitestgehend clusterförmig ausgebildet und verfügen über Input-Räume, Differenzierungsbereiche, Teambereiche für mittlere und kleine Gruppen sowie Lehrmittelräume. Diese Räume und Bereiche gruppieren sich um das Zentrum des jeweiligen Baukörpers.

Das Zentrum des Primarbereichs ist als nach oben offener und begrünter Innenhof gestaltet, welcher sich auch als Unterrichts- und Aufenthaltsraum eignet. Im Sekundarbereich wird das zentrale Atrium mit Lerntreppe als Unterrichts-, Lern- und Aufenthaltsraum genutzt.

Die Modelle geben einen Eindruck, wie die drei Baukörper zueinander und zum städtischen Umfeld funktionieren.

Baukonstruktion und Gestaltung

Der neue Campus ist in gleichmäßigen Baukörpern mit einem Raster von 7,50 m in Holzskelett- und Tafelbauweise konstruiert. Auch die Geschossdecken sind aus Holz, welches von unten sichtbar bleibt. Die Oberflächen werden schallabsorbierend gestaltet und sind darüber hinaus wegen der positiven Materialeigenschaften antibakteriell wirksam.

Horizontal zu führende Installationen werden auf den Rohdecken verlegt. Das Gebäudetragwerk wird so ausgelegt, dass bauliche Erweiterungen in Form von Aufstockungen auf dem West- und Mitteltrakt möglich sind.

Als wesentliche gestalterische Elemente der drei Fassaden sind in umlaufenden Bändern ablesbare Geschossdecken auf geschlossenen Wandflächen stehend zu nennen. Dadurch strahlen die Baukörper einerseits Standfestigkeit in klarer Ordnung und andererseits Lebendigkeit und Dynamik durch Veränderungen im Rhythmus aus.

Eine senkrecht montierte Lattung aus vorvergrautem Holz gibt den Fassaden eine feine Struktur und fließt vorhangartig um das Gebäude. Für die Beschattung sind textile Markisen vorgesehen, welche die innere Raumstruktur wiedergeben und damit ein lebendiges Fassadenbild abgeben.

Die Renderings und der Grundriss geben Auskunft über die Lage und die Innen- und Außenansichten.