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Obwohl beim Holzbau ein brennbarer Baustoff verbaut wird, können dieselben Brandschutzanforderungen erfüllt werden wie z. B. bei Stahl- oder Massivbauten. Das liegt daran, dass bei einem Brand das verbleibende Holz seine Tragfähigkeit behält. Warum das so ist und welche Faktoren noch eine Rolle spielen, erfahren Sie hier.

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Kohleschicht

Holz brennt – und zwar von außen nach innen, wobei sich eine schützende Kohleschicht bildet.

Ein Holzgebäude kann somit definitiv brennen. Die Ingenieur*innen von heute konnten Holzbauten inzwischen so weit optimieren, dass sie den gesetzlichen Brandschutzregelungen entsprechen.

Darstellung üblicher Brandphasen eines Wohnungsbrands mit Zuordnung, in welchen Brandphasen die Brennbarkeit der Baustoffe und der Feuerwiderstand der Bauteile von besonderer Bedeutung sind. (Quelle: TU München (TUM), Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion)
Darstellung üblicher Brandphasen eines Wohnungsbrands mit Zuordnung, in welchen Brandphasen die Brennbarkeit der Baustoffe und der Feuerwiderstand der Bauteile von besonderer Bedeutung sind. (Quelle: TU München (TUM), Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion)

Die größte Gefahr geht nach wie vor von brennbaren Gegenständen in Gebäuden aus: Meist brennt das Inventar zuerst, nicht der Holzbalken. Bis tatsächlich die Baukonstruktion selbst brennt, dauert es eine ganze Weile.

Abhängig von der Größe des Gebäudes ist eine Zeit definiert, wie lange die Konstruktion bei einem Vollbrand tragfähig sein muss. Das ist ziemlich genau berechenbar, da Holz immer gleich verbrennt. Man kann daher präzise berechnen, welcher Restquerschnitt z. B. nach 30 Minuten Vollbrand noch vorhanden ist und welche Lasten damit abgetragen werden können.

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Tragfähigkeit

Die Tragfähigkeit konnte durch die Herstellung von verklebten Holzelementen gesteigert werden, so dass z. B. auch Holzbauten den strengen Brandschutzgesetzen entsprechen und Holzhochhäuser gebaut werden dürfen.

So kann z. B. der Querschnitt eines Balkens durch Verwenden von Brettschichtholz weit über die Grenzen des gewachsenen Balkens hinaus vergrößert werden, so dass nach der vorgeschriebenen Brandwiderstandsdauer noch ein genügend großer Restquerschnitt vorhanden ist. 

Die Bauelemente sind z. B. Brettschichtholz oder Brettsperrholz. Brettschichtholz besteht aus mindestens drei faser­parallel miteinander verklebten Brettern und hat eine bis zu 50 % höhere Trag­fähigkeit als übliches Bauholz. Beim Brettsperrholz hingegen werden die einzelnen Lagen der Schnitthölzer bei der Herstellung der Platte im 90-Grad-Winkel zueinander geschichtet und verleimt. Die Tragfähigkeit verändert sich dabei wenig und wird in Querrichtung sogar gesteigert. Hinzu kommt die Qualität des Holzes: Je größer der Radius der Holzmaserung im Querschnitt, desto höher ist die Tragfähigkeit.

Treppenhäuser und Flure müssen rauchfrei bleiben

In manchen Bereichen des Gebäudes – z. B. Treppenhäuser und Flure – soll kein Brand entstehen, damit die Räume rauchfrei bleiben und von Menschen genutzt werden können.

Deshalb dürfen hier keine brennbaren Materialien (Möbel, Bücher, Teppiche …) gelagert werden. Das gilt auch für die verwendeten Bauteile in diesen Bereichen: Sie müssen mit nichtbrennbaren Materialien verkleidet werden.

Hier kommen dann meist Gipsbauplatten zum Einsatz. Das im Gips chemisch gebundene Wasser verdampft bei Wärme und kühlt. Diese brandschutztechnisch wirksame Bekleidung von tragenden Holzbauteilen wird auch Kapselung genannt. Somit wird für einen definierten Zeitraum das Bauteil vor einer Entflammung geschützt.

Moderne Hochhäuser können in Holzbauweise gebaut werden und gewährleisten den geforderten Brandschutz.

Auch alte Holzhochhäuser existieren immer noch, wie die im Jahr 1065 gebaute chinesische Sakyamuni-Pagode, die mit über 67 Metern noch die aktuellen Holzhochhäuser in Deutschland überragt – das bisher größte steht in Heilbronn und misst 34 Meter, das geplante in Hamburg wird 65 Meter hoch.

Ein ganz wesentlicher Pluspunkt, den ein Holzbau im Falle eines Brandes hat, ist eher praktischer Natur: Man erkennt viel leichter, wo der Brand entstanden ist. Man sieht einfach direkt von außen, wo genau der Brand herkommt, und kann gezielt löschen und so die Ursache, im Fachjargon Wärmequelle genannt, beseitigen. Bei einem Stahlbau ist oft nicht sofort ersichtlich, woher der Brand kommt, ggf. kann der Brand ungehindert weiter verlaufen, auch wenn Teile gelöscht sind.

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